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Mineralien, Fossilien und Gesteine

Sonderbares und Nachdenkliches -

„Wie sich die Dinge gleichen“

„Mineralien wachsen! Ein Kristall wird geboren - existiert - und vergeht“. (NORBERT MÜLLER)

Phantomkristall, Fichtelgebirge

Dieser Vergleich der Eigenschaften von Mineralien, Pflanzen und Tieren ist uralt. Es ist die Suche nach dem allumfassenden der Dinge und im Verlauf der Jahrhunderte sind Gelehrte, Bergarbeiter und Volksmund immer wieder auf diese Vergleiche zurückgekommen. 

„Wenn Gott Mensch werden konnte, kann er auch Stein, Pflanze, Tier und Element werden, und vielleicht gibt es auf diese Art eine fortwährende Erlösung in der Natur“. (NOVALIS. Neue Fragmente - Von der geheimen Welt, Kap. 6. Juni-Oktober.1800)

Auch deshalb, nicht nur wegen der Möglichkeit, Erze und Baustoffe zu verwenden, hat man sich mit solcher Akribie mit den Mineralien beschäftigt. Die Alchemie, die Suche nach dem „Stein der Weisen“ und dem Gold waren Triebfedern für viele heutiger Wissenschaften. 

Der Urknall im Stein

„Die Edelgesteine und Kleinodien sind beydes mit ihrer äusserlichen Herrlichkeit und Glanz, als auch mit innerlichen herrlichen Tugenden reich begabet.“ (THOMAS NICOLS.Beschreibung der Edelgesteine.1734.S.5)

Der Mensch fühlt, das er in einem Mineral ein Stück der am besten geordneten, natürlichen Materie unseres Planeten in den Händen hält. Bei manchen Steinen, ob roh oder geschliffen, hat man den Eindruck die ganze Welt zu erkennen. Edelsteine galten als ein Ebenbild des Universums, mit all seiner „unerschöpflichen“ Kraft und Weite. 

„Daß, da eine gewisse allgemeine Krafft und lebendigmachender Geist sey, der sich vom Himmel und von den Sternen in die Welt, und ein jedwedes Theil derselben eingieße, welches etliche die Seele der Welt nennen“. (Hermes Trismegistus u. Platon. THOMAS NICOLS.Beschreibung der Edelgesteine.1734).

 Edelstein

Heute wird dem Thema auch wissenschaftlich nachgegangen: In der „Evolutionären Symmetrietheorie“. Der Selbstorganisation und den dynamischen Systemen. Hierbei spielt die Symmetrie eine wesentliche Rolle, also die Wiederholung gleicher Elemente im Aufbau des Lebens - wie bei den Kristallen. Und woher sollte das Leben dieses Wissen beziehen? Meiner Meinung nach von den symmetrischen Eigenschaften der Mineralien, bestimmt durch ihre chemischen und physikalischen Gegebenheiten.

„Die große Mehrzahl aller organischer Körper läßt sowohl in ihrer äußeren Gesamtform…eine gewisse Gesetzmäßigkeit erkennen, die man als Symmetrie im weiteren Sinne bezeichnen kann. …Viele organische Formen gleichen hierin den anorganischen Kristallen.“ (HAECKEL. E.: Die Lebenswunder. Gemeinverständliche Studien über biologische Philosophie. Stuttgart. 1905).

Symmetrie

Und so befassten sich auch bedeutende Mineralogen wie Abraham Gottlob Werner (1749-1817) mit diesem Thema:

„Oft hat er uns erzählt, wie ihm als Kind der Trieb die Sinne zu üben, zu beschäftigen und zu erfüllen, keine Ruhe ließ. Er sammelte sich Steine, Blumen, Käfer aller Art, und legte sie auf mannigfache Weise sich in Reihen. Er sah wie in Bänken und in bunten Schichten der Erde Bau vollführt war.“ (NOVALIS. Lehrlinge zu Sais, Romanfragmente, Heinrich von Ofterdingen, 1802 (veröffentlicht).

Natürlich bedeuten Erzvorkommen, Edelsteine (Gemmologie) u.a. auch eines: Geld und damit Macht und damals wie Heute „Heilende Steine“. Die „Steine“ waren so wichtig, das auch Plinius d. Ältere :(der römische Autor und Gelehrte Caius Plinius Secundus Maior (23-79 n. Chr.) uns den ersten, bekannten Vergleich Stein-Tier („Tiersteine“) niederschrieb:

„Der Carcinias nach der Farbe des Meerkrebses, der Echites nach der Viper, die Scorpitis entweder nach der Farbe oder dem Aussehen des Skorpions, die Scaritis nach der des Papageifisches, die Triglitis nach der des Meerbarben; die Aegophtalmus nach dem Ziegenauge; ebenso ein anderer <Stein> nach dem <Auge> des Schweines, der Geranites vom Hals des Kranichs, der Hieracites von dem des Habichts, der Aëtites von der Farbe des Adlers mit weißlichem Schwanz. Die Myrmecitis trägt in sich das Bild einer kriechenden Ameise, der Cantharias das von Käfern; Die Lycophtalmos hat vier Farben, eine rötliche und blutrote; in der Mitte eine von Weiß umgebene schwarze, wie sie die Wolfsaugen haben; der Taos ähnelt dem Pfau und ebenso der Brillenschlange, ein Stein, den ich unter der Bezeichnung Timictonia finde.“ (Naturalis historia (um 77 n. Chr.). Die 37 Büchern der „Naturalis historia“ : die älteste vollständig überlieferte systematische Enzyklopädie der Welt. Text  und Übersetzung n. König et al. 1994).

Adler-Kranich-Ziege

Aber auch die Bibel trug ihren Teil zum Ruhm der „Steine“ bei:

„Die Grundsteine der Stadtmauer sind mit edlen Steinen aller Art geschmückt; der erste Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalcedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardion, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Die zwölf Tore sind zwölf Perlen; jedes der Tore besteht aus einer einzigen Perle. Die Straße der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas“. (Offenbarung des Johannes.21,19).

Die „Heilige Zahl“ 12 bestimmte das Leben und Denken (Duodezimalsystem).

Und so gab es seither „Himmlische Steine“ und „Höllische Steine“ für den Adel und für die Untertanen.

„Lapis infernalis, der „höllische Stein“ oder „Höllenstein“, wird er tituliert…Silbernitrat, ein Salz der Salpetersäure schuf die Vor-aussetzung für die Fotographie, gewonnen aus Gediegenem Silber oder silberhaltigen Mineralien.(Lapis infernalis, Luna cauftica, oder caufticum perpetuum. (PETER B(P)OMET.1717)

Bei all diesen Ausführungen berühmter und bedeutender Menschen, bleibt mir als „Otto-Normalverbraucher“ und Nicht-Gelehrten nur mein Vergleich in der Welt des „Sammelns“ und des Beobachtens: Und ich kann all dies nur Wiedererkennen, aus eigenem Augenschein, aus dem Geruch der Erde, aus den Kluftsystemen und aus der Erkenntnis beim Sammeln: 

„Gegen die Natur der Welt, der Selbstorganisation des Lebens und der Steine sind wir zwar Lebewesen, aber mit Sicherheit nicht die Krone der Schöpfung“. (Norbert Müller. 2016)



Panta rhei - „alles fließt“ - „Alles ist im Fluss“

(HERAKLIT. 500 v. Chr.).

Vom Berg zum Sediment, vom Sediment zum Stein, vom Stein zum Berg.

Steine mit Gesicht, Landschaft und Charaktere - eben etwas zum Schauen und in sich gehen, nichts besonderes, aber einfach schön.


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