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Mineralien, Fossilien und Gesteine

Das Ries

„Das Ries ist eine tief in Sand und Schlamm versunkene Sphinx und gibt dem Forscher Rätsel auf, die nur durch anhaltende Bemühungen und nicht in kurzem Siegeslauf zu lösen sind“(CARL DEFFNER.1870).

An der Nahtstelle Frankenalb - Schwäbische Alb („do dranna“)  befindet sich das Nördlinger Ries (röm. Provinz „Raetia“) und daneben das Steinheimer Becken. Ein kleiner Teil des Rieses gehört noch zu Franken, der Rest zu Schwaben - aber geologische Ereignisse halten sich nicht an politische Gliederungen. Das Nördlinger Ries, seit 2006 in der Liste der Nationalen Geotope, wirbt mit seiner Geologie und mit seinem Alleinstellungsmerkmal des am besten erhaltenen Impaktkraters der Erde.

  • Nördlingen Ries Karte
    Ries-Karte
  • Bunte Brekzie Ries
    Stein-Herzen-Dogger-Bunte-Breckzie-Nördlinger-Ries


Landschaft

Nördlinger Ries

Geologie

„Ich vermuthete sogar, daß der ohngefähr 5 Stunden entfernte popsinger Nipf, … einige nähere Aufschlüsse hierüber geben könnte. Aber auch dort wurde meine Erwartung getäuscht; …denn es ist sonst beynahe unerklärbar, daß die vulkanischen Produkte in dieser Gegend sich nur auf eine so kurze Strecke ausbreiten sollen.“ 

(über Kalkstein/Hornstein auf dem „Vulkan“. RITTER MATHIAS VON FLURL.1805).

Auf das Grundgebirge, hier dem Moldanubikum, dessen Entstehung vor über 600 Mio. Jahren begann (siehe Geologie allgemein), folgt die Trias mit seinen Gesteinen. Das „Germanische Becken“ nahm die Sedimente des Erd-mittelalters in sich auf. S-SE Nürnbergs lag das Vindelizische Land, erst in der Trias gebildet, verhinderte es das Vordringen der Tethys. Binnensedimente wie der Buntsandstein (tw.), Meeresablagerungen wie der Muschelkalk und wieder Fluss-ablagerungen wie die Sandsteine und Tone des Keupers bilden die Basis. Der Jura mit seinen marinen Sedimenten (Ton-schiefern, Sandsteinen, Kalksteinen und Dolomiten: Lias - Dogger - Malm) folgen. Im Tertiär lagerten sich durch die Erosion der Alpen die Sande der Molasse (im Oberen Eozän/Miozän) in riesigen Schwemmfächern der Flüsse (W) ab, aber auch die Untere und Obere Meeresmolasse (Oligozän, Miozän) berührten das Ries (MATTMÜLLER.1994). Im subtropischen Klima  floss der Ur-Main bei Treuchtlingen noch in die Ur-Donau und Ur-Elefanten, Nashörner und kleine „Hirsche“ grasten im sumpfigen Hügelland, verfolgt von Säbelzahnkatzen.

Stratigraphie

Vor 15 Mio. Jahren (frdl. Mitteilung Dr. Pösges) (Neogen-Miozän) rauschten 2 Himmelskörper mit 70.000km/h auf die Albhochfläche zu: Der „Ries-Asteroid“ (vermutlich ein Steinmeteorit: Achondrit; es wurden Metalläderchen in 600m Teufe aus Eisen, Chrom und Nickel gefunden) mit einem  von 1,2 km und der „Steinheim-Asteroid“ 120 m verursachten beim Impakt ein unglaubliches Szenario. Die komplette Tier- und Pflanzenwelt in hunderten von Kilometern Umkreis wurde mit einem Schlag vernichtet.

Bild: Tiere/Pflanzen

Die Sande der Oberen Süßwassermolasse wurden zu Glas aufgeschmolzen (Aufprall Temperatur 20.000 ℃) und Teile bis nach Böhmen, Mähren, Lausitz und Oberösterreich,  mit einer Geschwindigkeit von 1-2 km/s, ausgeworfen. ausgeworfen („Jetting-Prozess“; Moldavite). In nur 60 Millisekunden beginnt die Kraterbildung, wobei der Asteroid um 50% zusammengepresst wurde bis er schließlich explodierte. Durch die daraus resultierende Stoßwelle(Überschallgeschwindigkeit), die extremen Druck- und Temperaturverhältnisse wurden die vorhandenen Gesteine verändert (Stoßwellenmetamorphose. STÖFFLER.1965). 

Kraterentstehung

Die Hochdruckminerale Coesit und Stishovit (Quarzminerale) und auch Diamanten bildeten sich, wenn auch nur im mikroskopischen Bereich. Der „Innere Ring“ bildet sich (ca. 4,5 km tief und 12km ) und die vorhandenen Gesteine wurden in weitem Umkreis (bis 200 km) herausgeschleudert. Jura-Gesteine („Reutersche Blöcke“ bis zu 5 t!) finden sich in Niederbayern oder wurden sogar „Schweizer“ (St. Gallen. HÜTTNER&SCHMIDT-KALER.2003). Der primäre Krater kollabiert - der Boden hebt sich einige Kilometer und Mega-Gesteinsblöcke rutschen in den Krater - eine Verdopplung des Kraters erfolgt (700 m tief;  25 km ∅).  Bei diesen Vorgängen bildeten sich im Umkreis von 40 km eine bis zu 100 m Hohe „Decke“ - die „Bunte Brekzie“ (Grundgebirge, Keupertone und - sandsteine, Juragesteine). Die Juragesteine werden zertrümmert („Gries“) und nach nur 10 min. bildet sich aus den zurückfallenden Fallout der Explosionswolke der Schwabenstein: 

Der Suevit: Eine Typlokalität - weltweit.

 „Was aber alle mineralogischen Merkwürdigkeiten in dem Neuburgischen wenigstens in geognostischer Rücksicht übersteigt, ist die wirklich vulkanischen Gegend um Otting bis Rehau“. (RITTER MATHIAS VON FLURL.1805)


Gesteine des Nördlinger Rieses und Meteoriten in Franken.

In den verbliebene flache Krater wurden die Reste der Auswurfmassen hinein geschwemmt. Im Laufe der Zeit entstand ein flacher Brackwassersee, der immer wieder austrocknete und sich wieder füllte. Mächtige Abfolgen aus bituminösen Tonen und Mergeln und auch Travertine entstanden. Der Riessee, der über 2 Mio. Jahre existierte, reicherte sich mit den Mineralien der Gesteine an und schwankte von „salzig“ (Salzgehalte höher als das Rote Meer) bis zu „süß“. Stellenweise entstand sogar ein Sodasee. Diatomeen und Pyrit sorgten für eine starke Nährstoffzunahme (Eutrophierung). Die organischen Substanzen reicherten sich bis zur Qualität einer „Erdöllagerstätte“ an. Das Leben, das Anfangs nur aus Wasserschnecken und Muschelkrebsen (Ostracoden) bestand, kehrte zurück. Kalkalgenriffe entstanden. Als das Klima sich wieder Richtung humid bis feucht wandelte, wurden sogar kleine Braunkohleflöze gebildet. Wahrscheinlich gab es am Kraterrand Kalksinter-kaskaden vor denen sich Flamingos, Pelikane u.a. Bewohner tummelten. Die organischen Riessee-Kalke die dabei entstanden haben einen Teil der damaligen Pflanzen und Tierwelt erhalten. 

Bild: Fossilien

Aufgefüllt mit den Riesseekalken (Seesedimente bis zu 400 m) wurde der Krater erst im Pliozän durch die Erosion wieder freigelegt. Während der Eiszeiten wurden Lößablagerungen in den Kessel eingetragen und sorgen heute für die guten Böden des Nördlinger Ries.


BILD: Riessekalke

Bereits vor 70.000-80.000 Jahren erkannten anscheinend die „Altsteinzeitler“ den „Traumzeitort“ als solchen, wovon die archäologischen Funde aus dieser Zeit zeugen. 

Ofnethöhlen - Bayerns schönste Geotope Nr.: 38

Nach dem Begründer der Geologie in Bayern: Mathias v. Flurl beschäftigte sich auch der Altmeister Carl Wilhelm von Gümbel mit der „vulkanischen Gegend“. Viele Geologen in Bayern beschäftigten sich mit dem „vulkanischen Problem“ vom Nördlinger Ries. 

„Der härgelaufene Chinäs, der au noch en Ami is…“

(aus ROTHE. 2012). 

Es mussten erst 2 Amerikaner kommen - Eugene Shoemaker und Edward T.C. Chao (1960) - und das Problem mineralogisch lösen, indem sie Stishovit und Coesit (Hochdruckmodifikationen des Quarzes) nachwiesen. Bis Heute gibt der Suevit und der Krater immer noch Rätsel auf.

„So richt ein Frosch neun Schwaben hin/Die schier besiegt ein Haasen/Drum hassen Schwaben immerhin/Die Frösch und auch die Haasen.“ (ACHIM VON ARMIN u. CLEMENS BRENTANO. Des Knaben Wunderhorn. 1805-1808). 

So wurde aus dem chaotischen Szenario einer völlig zerstörten Landschaft wieder eine blühende Landschaft. So wie aus den ursprünglich 9 einfältigen Schwaben (Meistersang von HANS SACHS. 1545) zuletzt 7 Schwaben (BRENTANO/ARMIN) wurden. So entwickelte sich aus dem ehemaligen Spottlied ein Markenzeichen, weit über das Ries hinaus

„Die Sieben Schwaben“.

„Und der König erhöhte Daniel und…

machte ihn zum Fürsten über das ganze Land.“

(Daniel 2, 48).

Die St-Georgs-Kirche, Nördlingen - Diamanten inklusive

Gleich 4 der schönsten Geotope Bayerns beinhaltet das Nördlinger Ries:

Impaktgesteine Wengenhausen - Riesseekalke Hainsfarth - Suevit-Steinbruch Aumühle und die Ofnet-Höhlen (s.o.)

(Literatur: Pösges, Gisela: Das Nördlinger Ries. Aufschluss, Jg. 68, 04.2017)

LINKS:

Geopark Ries

RiesKratermuseum Nördlingen

Korallenmuseum Nattheim

Riffmuseum Gerstetten

Meteoriten-Kratermuseum Steinheim/

Altersdatierung

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