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Mineralien, Fossilien und Gesteine

Geologie Frankens  

Eine Wanderung um den halben Globus

Vor über 500 Millionen Jahren, im Erdaltertum, begann „unsere“ Wanderung der Kontinente von der südlichen Erdhalbkugel über den Äquator bis zum 50. nördlichen Breitengrad mit einer Geschwindigkeit von ca. 1cm/Jahr. Nordafrika, ein Teil „Gondwanas“, am Südpol gelegen, triftete nach Norden und kollidierte mit Nordamerika (Laurentia) und dem Baltikum: Laurussia entstand. Der Rest Afrikas folgte: Pangäa - „Ganzerde“ war entstanden.

Die entstandenen „Knautschzonen“ werden in das Rhenoherzynikum, das Saxothuringikum und das Moldanubikum unterteilt: 

Eine Einheit mit unterschiedlicher Entwicklungsgeschichte. 

Der Odenwald, Spessart, Frankenwald und das Fichtelgebirge gehören zum Saxothuringikum. Der Oberpfälzer Wald und der Bayerische Wald zum Moldanubikum. Unter Nürnberg in einer Tiefe von ca. 400 m, oberflächlich geteilt durch die Pegnitz (zumindestens die Ur-Pegnitz), ist also der Unterschied zwischen Nord- und Südstädter zu suchen: Die Nahtstelle von „Ur-Europa“ und „Ur-Afrika“, die sich weiter in einer Linie Nürnberg-Ansbach-Crailsheim (BRAM&BADER 2001) verfolgen lässt.

„Hier aber war’s! Plutonisch grimmig Feuer, … Durchbrach des flachen Bodens alte Kruste, Daß neu ein Berg sogleich entstehen mußte.“ (J. W. v. GOETHE. Faust II - Der Tragödie zweiter Teil. Anaxagoras. Kap. 30).

Ein Gebirge türmte sich auf

Durch diese Kollision der Kontinente und Mikroplatten entstand das Variskische Gebirge - weltweit (350 - 290 Mio. Jahre). Mitteleuropas Basis war geschaffen. Dessen magmatische und metamorphe Gesteine treten heute ab und an der Fränkischen Linie, die in Bayern von NW nach SE zwischen Kronach bis Weiden reicht, zu Tage. Diese große Störungszone trennt unser Schichtstufenland (Deckgebirge vom Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge und dem Naturraum Oberpfälzisch-Obermanisches Hügelland) vom variskischen Grundgebirge. 

(variskisch-variszisch-variscisch-varistisch = "ist noch im Fluss").

„Nie war Natur und ihr lebendiges Fließen

Auf Tag und Nacht und Stunden angewiesen.

Sie bildet regelnd jegliche Gestalt,

Und selbst im Großen ist es nicht Gewalt.“

(J. W. v. GOETHE. Faust II - Der Tragödie zweiter Teil. Thales. Kap. 30).

Im Frankenwald prägen marine Sedimente des Präkambrium (Erdfrühzeit) und des Paläozoikum (Erdaltertum) die Landschaft (ab ca. 550 Mio. Jahren). Eine Absenkung mit vulkanischen Aktivitäten („Diabasbildungen“; untermeerische Basalte) ließen Gesteine wie den Eklogit aus Basalt entstehen und verwandelte Kalke in Marmor. 

Vor allem in der Oberpfalz bildeten sich Gneise, aus Sedimenten die bereits vor 650 - 350 Millionen Jahren abgelagert wurden. Die Sedimente wurden stellenweise vollständig aufgeschmolzen und es bildeten sich Migmatite (Anatexis). 

Die Granite entstanden am Ende der variskischen Ära (325 - 298 Mio. Jahre aus abgeschnürten Magmenkammern durch Aufschmelzung vorhandener Gesteine, umhüllt von metamorph veränderten Gesteinen aus ehemaligen Sedimenten.

Der Lauf der Zeit

Im Perm (Rotliegend) fiel dieses Grundgebirge starker Abtragung anheim und unsere Mittelgebirge blieben Festland, bis heute.

In der Trias („Dreiheit“) entstand das „Germanische Becken“, das unsere Sedimente des Erdmittelalters (Karbonat-, Sand-, Tonsteine bis zu 400 m mächtig) in sich aufnahm. S-SE Nürnbergs lag das Vindelizische Land, erst in der Trias gebildet, verhinderte es das Vor-dringen der Tethys (außer in der Zeit des Oberen Buntsandsteines - Röt - und des Mittleren Muschelkalkes) bis in die Zeit des Oberen Juras und trennte die Binnensedimente, wie den Burgsandstein, von den Meeressedimenten der Trias, aus denen später ein Teil der Alpen geformt wurden. In diesem Wechselfeld aus marinen und terrestrischen Ablagerungen folgten im Rhätolias Frankens eine Übergangszone, bis im Jura nur mehr rein marine Sedimente abgelagert wurden (vom Unteren Jura mit seinen Tonschiefer, dem Mittleren mit den Sandsteinen und dem Oberen Jura mit Kalksteinen und Dolomiten, eben den Lias, Dogger und Malm).

Im „Dogger“ trennte sich Afrika wieder von Europa. Wir sind „Spanier“ und der Atlantik teilt nach und nach die Kontinente. Unser Vindelizisches Land versinkt im Meer.

Ein Gebirge türmt sich nochmals auf

Es folgte wieder eine festländische Zeit, bedingt durch Hebungen und den niedrigen Meeresspiegel. Unser Deckgebirge wird durch die Erosion erstmals stark geprägt. Der Ochsenkopf im Fichtelgebirge wird um 1500 m (?) gehoben, durch das aufsteigen des Grundgebirges (bei uns erst in der Oberen Kreide). Die inzwischen stark verkarstete „Malmtafel“ wird durch Sandsteine wieder überdeckt - den Schutzfelsschichten - nomen est omen. Ein letzter Meeresvorstoß vom Süden griff auf die Frankenalb über - die „Kallmünzer“ zeugen davon. 

In der Erdneuzeit (Oligozän u. Miozän) wirkte sich die Alpenfaltung bis in unser Gebiet aus, es rauchte nochmals in Franken und der Oberpfalz: Vulkanite durchstießen tw. explosiv die vorhandenen Gesteine. In den Haßbergen entstehen Basaltgänge - die „Heldburger Gangschar“ und unsere Rhön bekam ihr Landschaftsbild. Maare bildeten sich. Auch in der Oberpfalz folgte, bedingt durch den Egerrift, eine erneuter Vulkanismus (25-20 Mio. Jahre).

Der Lauf der Zeit setzt sich fort

Die Verwitterung setzte ihr Werk fort und im Tertiär wurden die Kreidesedimente größtenteils abgetragen und die alte Karstlandschaft trat wieder hervor. Die Kontinente hatten annähernd die heutige Position,  die Alpen und der Himalya entstanden, ja entwickeln sich bis heute weiter und aus der Tethys wurde das Mittelmeer.

Vor 14,3 Mio. Jahren (BUCHNER. et al. 2003) kam der Impakt des Ries-Meteoriten. Im Quartär, in eisigen „jungen“ Zeiten, entstanden typische Landschaftsbilder (Permafrost), auch wenn uns die Gletscher nicht erreichten. Schotterterrassen des Urmains zeugen vom früheren Flusslauf von N nach S zur Donau. Lockersedimente wie Dünen und ausgeprägte Sandflächen entwickelten sich. 

(Dies ist nur ein kleiner Überblick. Hierzu gibt es unzählige Fachliteratur und auch Seiten im Internet).

(Verwendete Literatur: 

Hofbauer, Gottfried: Die Erdgeschichte der Region - Grundzüge aus aktueller Perspektive. Natur und Mensch. Jahresmitteilungen der NHG. 2003. S. 101-144; ISSN 0077-6025 - www.gdgh.de.

Füßl, Martin; Weber, Berthold: 

-Fichtelgebirge. Sprudelnde Quellen und Meere aus Stein. 

-Nördliche Oberpfalz und Fichtelgebirge. Streifzüge durch die Erdgeschichte.2009/2011. ISBN 978-3-394-01463-0/978-3-494-01478-4  - www.vfmg-weiden.de).


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