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Mineralien, Fossilien und Gesteine

Die Münchberger Hochfläche und das Bayerische Vogtland

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Nirgends aber treten die Umrisse einzelner alter Gebirgskerne so deutlich hervor als vor dieser Hauptlinie, 

in der Münchberger Gneissmasse bei Hof und in dem sächsischen Granulitgebirge. 

Es ist daher entsprechend, dass in dem Lande der Varisker, dem Vogtlande, 

der Name des die meisten deutschen Horste umfassenden Gebirges gewählt werde, 

und es wird dasselbe nach der Curia Variscorum (Hof in Bayern) 

das variscische Gebirge genannt werden.“ 

(EDUARD SUESS. Das Antlitz der Erde, Band II, 1888, S. 131).

Naturraum

Die Münchberger Hochfläche liegt zwischen dem Frankenwald (N/NW) dem Fichtelgebirge (SE), dem Vogtland (NE-E) und dem Obermainischen Hügelland (SW). Eine leicht „geschwungene“ Landschaft zeichnet die Münchberger Masse (-Gneismasse/Gneisplatte) aus. Das Vogtland gehört (Mittelvogtländisches Kuppenland) nur zu einem kleinen Teil noch zu Franken, hier im Thüringisch-Fränkischem Mittelgebirge. Die naturräumlichen Grenzen zwischen Frankenwald, Münchberger Masse und Mittelvogtländischem Kuppenland befindet sich mitten im Hofer Stadtgebiet.

Zur Münchberger Hochfläche gehören die Orte Bad Berneck, Goldkronach, Gefrees, Helmbrechts, Marktschorgast, Münchberg, Oberkotzau, Rehau, Schauenstein, Schwarzenbach a.d.Saale, Stammbach, Wirsberg und Zell. Die Stadt Hof - Curia Variscorum (4.Jdt.) - ist geteilt (s.o.; nach anderen Darstellungen auch Selb und Schönwald, eigentlich zum Fichtelgebirge gehörig) und viele kleinere Orte.

Sonnenuntergang an der Grenze Münchberger Hochfläche-Fichtelgebirge und die Städte Goldkronach, Bad Berneck, Münchberg, Rehau und Hof.


„Es ist der Geist der Ewigkeit,

der jeden Geist der Zeit richtet und überschaut.

Und was sagt er über die jetzige?

Sehr harte Worte.“(JEAN PAUL. Hesperus. ).

Die Stadt Hof, wurde früher, aufgrund seiner ehemals historisch wichtigen Textilindustrie (Hauptsitz der oberfränkischen-vogtländischen Baumwollbuntweberei, Flanell, Eisengarne etc.), als das „Bayerische Manchester“ bezeichnet . Die Porzellanindustrie war im gesamten Großraum ein wichtiges Standbein und ist es teilweise immer noch, sowie auch die Steinindustrie seit jeher ein wichtiger Arbeitgeber war und ist. Acker und Grünland,Viehzucht und Fichtenwälder sind die wirtschaftliche Grundlage. Heute erfolgt auch eine intensive Nutzung der Windenergie.

(Naturräumliche, geographische und geologische Zuordnung zum Frankenwald und Bayerischem Vogtland weichen erheblich voneinander ab! Heute wird die Grenze mitten in die Stadt Hof verlegt. Nach der naturräumlichen Gliederung der Karte des lfu gehört z.Bsp. Joditz noch zum Vogtland. Geologisch und nach eigener Darstellung jedoch zum Frankenwald. Gem. dem geologischen Landesamt zum Vogtland:In einem schmalen Streifen, der über ca. 30 km von Rehau über Hof bis Lichtenberg reicht, erstreckt sich der südwestlichste Teil des Vogtlandes, das Mittelvogtländische Kuppenland (411) und das Obere Vogtland (412) noch nach Oberfranken hinein.“. Gem. tw. Geotopkartierungen auch wieder nicht!).


Geologie

Die Sedimente entstanden im ozeanischen Becken zwischen Laurussia und Gondwana aus den „alten Kontinenten“ (kratonisch). Sie wurden einer Metamorphose unterworfen. Umgeben werden diese Gesteine (Saxothuringikum oder Bohemikum - nicht geklärt) von den gefalteten marinen Sedimenten (paläozoisch - nicht oder nur schwach metamorphe Gesteine, Kalksteine und Schiefer; siehe Frankenwald) der „Bayerischen Fazies“. Diabase durchbrachen auch hier die Gesteinsschichten. Kontaktgesteine zu den Graniten und Phylliten des Fichtelgebirges und zu den Sedimenten des Obermainischen Hügellandes (triasische Gesteine; Fränkische Linie; Goldkronach) runden das Bild ab. Bad Berneck befindet sich an der Nahtstelle zweier Bruchstellen: 

Der Fränkischen Linie und der Bad Bernecker Störung. 

Die Entstehung der Münchberger Masse ist noch nicht abschließend geklärt: Ob es sich bei ihr um eine direkt aus der Tiefe herausgedrückte Scholle (3-60 km!!!) oder um den Rest („Tektonische Klippe“) einer durch Erosion bedingten Deckenüberschiebung handelt. 

Die metamorphen Gesteine der Münchberger Masse, lagernd auf dem Saxothuringikum (ROHRMÜLLER/PETEREK. 2010), werden in die

Phyllit-Prasinit-Serie (niedrig metamorph 370 Mio.J.), die Randamphibolit-Serie und die Liegend- und Hangend-Serie (Hochmetamorph 390 Mio.J) eingeteilt. Ein Saum aus Gesteinen am Randbereich (hierin liegen die Serpentintitvorkommen) wurden als „Grünschieferzone“ bezeichnet (STETTNER. 1977).  

Neoproterozoikum-Präkambrium

-Die Prasinit-Phyllit-Serie (Metamorphose mind. 370 Mio. J.) besteht aus metamorphen Wechsellagerungen, hervorgegangen aus vulkanischem Material (Prasinit), sandigen Sedimenten und Tonen (Phyllit). Es treten in den Phylliten (ehem. Tone) Acritarchen im späten Ediacarium( rd. 650-545 Mio.J.; lokal unteres Vendium) auf. Im Kontakt mit der Randamphibolit-Serie treten die wirtschaftlich wichtigen Serpentinitlager (Topfstein/Schotter) zutage, die teilweise in Talk umgewandelt sind. 

Phyllit-Prasinit-Serie am Kosereck und Adlerstein bei Wirsberg, im Steinbruch Scherhuhn, Schwarzenbach a.d.S. und am Haidberg bei Zell.


-Die Rand-Amphibolit-Serie (Metamorphose 400-380 Mio. J.) besteht aus Amphiboliten - massige und gebänderte Partien (aus Vulkaniten) und Diabasen. 

AMPHIBOLITBRUCH Schorgasttal und ein Stück im Geologischen Garten des Zoo Hof.

In der Randserie der „Grünschieferzone“ treten auch Prasinite und Metabasite (Saussuritgabbro, Serpentinit) auf.

Kambrium bis Ordovizium

-Die Liegend-Serie (Metamorphose 480 Mio. J.) in die Gabbros und Granitoide in tonige Sedimente (525-480 Ma) eingedrungen sind, besteht hauptsächlich aus Gneisen (Paragneise - aus Sedimenten und Orthogneise - aus magmatischen Gesteinen).

Augengneis in Schauenstein mit  „Wachender Jungfrau“ und der Hohe Stein bei Leupoldsgrün. Gabbronorit, Steinhügel, Höflas.


-Die Hangend-Serie (Metamorphose 390 Mio. J.) mit ihren hochmetamorphen Gesteinen besteht aus Hornblendebändergneise, Amphiboliten, Paragneisen und Einlagerungen von Kalksilikatfels und Marmor. An der Basis sind Eklogite und Serpentinite vorhanden (Eklogite entstehen aus Gabbros oder Basalten unter enormen Druck und Temperaturbedingungen und bestehen aus Omphacit (DiopsidJadeit), Granat (Almandin⇋Pyrop) u.a..

Eklogit, ein wunderschönes Gestein, Winterleite, Stammbach. „Stein“ bei Konradsreuth mit mächtigen Verbiegungen und die Hornblende-Bändergneise aus dem Steinbruch Seulbitz.


Devon - Karbon

Im Devon bis zum Karbon fanden sich die 4 Serien zusammen, um danach über eine große Entfernung zum heutigen Punkt transportiert zu werden (Der Kontakt der Liegend- und Hangend-Serie fand vor ca. 385 Mio. J. statt und kühlte bis 380 Mio J. aus). Hinzugezählt werden auch die ausbeißenden, schwach metamorphen Gesteine der „Bayerischen Fazies“ (Münchberger Deckenstapel). Beide Einheiten wurden nach NW transportiert und wurden deformiert. Die Diabasvorkommen gehören ebenfalls hierher.

Letztendlich erfolgte durch die Entstehung der Alpen wieder eine Hebung der Münchberger Masse in der Oberkreide (99 Mio. J.) und die damit folgende Zerlegung in einzelne Bruchschollen.

Tektonische Gliederung der einzelnen Zonen, die Münchberger Masse im Profil und die Diabas-Pillows in Bad Berneck am Ölschnitzdurchbruch.


„Magnetberge“

„Ich eile Dir zu melden, mein guter Carl, daß ich die größte Entdeckung meines Lebens gemacht. Ich war 8 Tage im Gebirge der Oberen Pfaltz und habe eine ganze Gebirgsmasse entdeckt, welche eine ungeheure Polarität zeigt.“ (A.v. HUMBOLDT.14.11.1796 Brief an Freund Carl von Freiesleben)

Durch die hohen Magnetitgehalte an Kontaktflächen in den Serpentiniten gibt es eine deutliche magnetische Anomalie (Paläomagnetismus durch ferrimagnetische Mineralien. Entstanden durch die Metamorphose oder durch  die späteren Granitintrusionen - chemische oder thermische Remanenz). Diese magnetischen Eigenschaften werden auf Erhöhungen durch Blitzschläge immer wieder erneuert. Weiter deutet eine Schwereanomalie auf einen größeren Gesteinskörper in der Tiefe hin (cadomisches Grundgebirge 570-540 Mio. J.?).

Die „Magnetberge“ Haidberg bei Zell und der Peterleinstein bei Kupferberg.


Der Ort Goldkronach zählt noch zu der Münchberger Hochfläche und ist das Bindeglied zwischen den Rotliegendsedimenten, Diabasen, Epigneisen, Rhyoliten, Phycodenschichten und Phylliten mit dem Goldbergbau des Fichtelgebirges. 

Im bayerischen Vogtland sind Diabase und Diabastuffe, Grauwacken (Karbon) und Schiefer (Devon) weit verbreitet. 

„…Ludwig der Baier verlieh nämlich im Jahr 1323 dem Burggrafen Friedrich IV. 

alles Erz, so in seinem Lande gefunden wurde, und machte im Lehensbrief 

die Bergwerke zwischen Plaßenburg, Münchberg und Schorgast namhaft“.

(AUGUST GOLDFUß, GUSTAV BISCHOF. 

Physikalisch-statistische Beschreibung des Fichtelgebirges. 1817).

Bergbau

Der Bergbau auf Eisen, Alaun u.a. und vor allem die Schottergewinnung ging in der ganzen Gegend um. Die Goldwaschplätze und das ehemalige Pochwerk (nicht mehr erhalten; Goldberg) der Nürnberger Burgrafen sind nur noch durch uralte Seifenhügel dokumentiert und sind heute meist Bodendenkmäler. Der Goldberg in Plössen trägt des Edelmetall sogar im Namen. Auf der Alaungrube „Beständiges Glück“ im „Rother Park“ in Bad Berneck testete Alexander v. Humboldt seine selbst entwickelten Geleuchte und ein „Atemgerät“.

Ehem. Seifenhügel des Goldseifenabbaues am Untreubach, Riglasmühle. Ged. Gold aus Plössen, Die Alaungrube „Beständiges Glück“ in Bad Berneck und heute ein Naturschutzgebiet: Die Pingen des Serpentinitabbaues der Wojaleite bei Wurlitz.

Die „Grünsteinhauerei und -schleiferei“ fertigte aus Serpentinit und Talkschiefer Aschenschalen, Mörser, „Bettsteine“ („Wärmflaschen“), Uhrgewichte u.v.a. Produkte. Am Peterleinstein (Peterlesstein) wurden „Patterla“ hergestellt (Glasperlen für Rosenkränze). Heute wird der Serpentinit nur noch in Wurlitz in großem Maßstab abgebaut. Die aufgelassenen Steinbrüche und Pingen sind heutzutage ein wichtiger Rückzugsraum der Tier- und Pflanzenwelt mit tw. endemischen Arten.

Die Kupferberger Vererzung an der Naht zwischem dem Frankenwald und der Münchberger Masse entstand durch den tektonischen Druck der Münchberger Masse. 700 Jahre lang wurde in etlichen Bergwerken abgebaut. Heute kann man am Bergbau-Wanderpfad oder im Besucherbergwerk, St.-Veit-Zeche, auf den Spuren der ehemaligen Knappen wandeln.

Die St-Veit-Zeche in Kupferberg, heute ein Besucherbergwerk.

Eine Vielzahl an Mineralien wurden geborgen. Etliche davon sind den meisten aus den Alpen gut bekannt, von Diopsid, (lauchgrün-„Makkolith“), Serpentin, Chrysotil, Tremolit, auch als Aktinolith, Vesuvian, Granat(Andradit - „Topazolith“). Disthen und Granat eingewachsen in Eklogit oder Gneis, Titanit, Magnetit, Kupfermineralien, Hyalith u.v.m. wurden geborgen.

Aktinolith aus Schwingen, Bronzit vom Kupferberg, Calcit aus Schönbrunn, Quarzkristalle aus Förmitz, Humboldt´s Stilbit aus Gössenreuth.

„Viele Leute verlegen sich auf das Suchen von Katzenaugen, statt im Winter als Steinschläger im Steinbruch zu arbeiten.“ 

(Hofer Stadtmagistrat. Protokoll 16.01.1883).

„Von dem durch das ganze Gebiet der Diabase und Schalsteine verbreiteten 

Katzenaugen werden die schönsten Exemplare an dem Labyrinthberg bei Hof, …erbeutet.“

(C.W.v.GÜMBEL.1879).

Der Labyrinthberg (Frankenwald) in Hof wurde durch seine „Katzenaugen“ (Hornblendeasbest und Quarz) ziemlich bekannt. Die Vorkommen im Diabas waren früher sehr begehrt, so das man - wie andernorts auch - die Arbeiter dazu ermahnen musste, ihrer Arbeit nachzugehen und sich nicht auf das Sammeln von „Katzenaugen“ zu konzentrieren.

Der Steinbruch mit seinen Diabaslagen und das Katzenaugendenkmal.

Unzählige touristische Attraktionen, Bauernmuseum, Vogtlandmuseum, der Theresienstein in Hof, der Untreusee und die Förmitztalsperre usw. u.v. Aussichtspunkte gibt es zu entdecken - aber oft nicht auf den ersten Blick! Für Tierliebhaber und geologisch Interessierte bietet der zoologische Garten Hof eine sehr schönen Überblick über die  Gesteine im „Geopfad“. Schwarzenbach an der Saale mit seinem Museum für Comic und Sprachkunst - Erika-Fuchs-Haus - hält die Erinnerung an unsere Jugendzeit wach. Etliche Geopfade laden zu interessanten Wanderungen in diesen Teil des Fränkischen Steinreiches ein.

Der Kugelbrunnen in Hof, Flussperlmuschelskulptur in Rehau und die Förmitztalsperre.

Mit einem herzlichen Gruß von der Münchberger Hochfläche und dem Vogtland.


Eines der schönsten Geotope Bayerns: Der Eklogit-Turm am Weißenstein, Stammbach.

Links

Besucherbergwerk St.-Veit-Zeche

Museum Bayerisches Vogtland

Zoologischer Garten Hof

Museum für Comic und Sprachkunst

erika-fuchs Willkommen in Entenhausen

Porzellanikon Selb


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